Home
TERMINE

Do, 1. Jänner 1970, 01.00 Uhr
Unterwegs mit den Menschen
Am 13.3.2017 luden die ksoe (Kath. Sozialakademie Österreichs) und die Jesuiten in Österreich anlässlich des 100. Geburtstag des Sozialethikers Pater Johannes Schasching SJ zu einem Schasching-Tag nach Wien ein, um an sein Wirken für Orts- und Weltkirche zu erinnern wie auch um jungen WissenschafterInnen Platz einzuräumen.

GEBET & GOTTESDIENST
Zum täglichen Online-Gebet

30. April 2017

Gottesdienst:
Linz, Ignatiuskirche - Alter Dom, 10:30 , Josef Gruber (1855-1933) - Missa „Jesu Deus pacis“ für Gesang, Violine und Orgel Monika Holzmann - Alt, Bernhard Prammer - Orgel

Gottesdienst:
Wien, Jesuitenkirche, 10:30 , W. A. Mozart - Große Messe c-Moll, KV 427 Chorvereinigung St. Augustin

3. Mai 2017

Gottesdienst:
Wien, Jesuitenkirche, 18:30 , Abend mit Gott - Messe mit Anbetung Jesuiten der Kommunität Wien 1

<zur Übersichtsseite>
GEBETSANLIEGEN DES PAPSTES

Gebetsmeinungen des Papstes für April

Die jungen Menschenmögen bereitwillig ihrer Berufung folgen und ernsthaft darüber nachdenken, ob... <mehr>
BEVORSTEHENDE GEDENKTAGE

Unterwegs mit den Menschen

Gedenken in der Jesuitenkirche

Dr.in Christina Plank, Provinzial Dr. Bernhard Bürgler SJ, Dr.in Magdalena M. Holztrattner M.A., Univ.- Prof. Wolfgang Palaver, Dr. Sebastian Thieme, Bischof em. Dr. h.c. Maximilian Aichern OSB, P. Dr. Alois Riedlsperger SJ

Am 13.3.2017 luden die ksoe (Kath. Sozialakademie Österreichs) und die Jesuiten in Österreich anlässlich des 100. Geburtstag des Sozialethikers Pater Johannes Schasching SJ (10.3.1917 – 20.9.2013) zu einem Schasching-Tag nach Wien ein, um an das Wirken von Schasching für Orts- und Weltkirche zu erinnern wie auch um jungen WissenschafterInnen, die heute im Geist von Schasching an der Katholischen Sozialakademie Österreichs im Rahmen der P. Johannes Schasching-Fellowship forschen, Platz einzuräumen.

Neue Produktions- und Lebensweisen

Bei einem ksoe-Frühstück in der Alten Burse sprach Dr.in Christina Plank, Schasching-Fellow der ksoe 2016/17, über „Neue Produktions- und Lebensweisen“. Laut Plank gehe es nicht bloß um die Änderung eines individuellen Lebensstils, sondern um das Umgestalten der Produktions- und Konsumbeziehungen. Als Alternative zum sogenannten „Corporate Food Regime“, bei dem heute wenige transnationale Konzerne die gesamte Wertschöpfungskette dominieren (vom Saatgut bis hin zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und Handel), präsentierte Plank die Ernährungssouveränitätsbewegung und als praktisches Modell die „Solidarische Landwirtschaft“. Dabei entsteht eine qualitative Verbindung zwischen ErzeugerInnen und KonsumentInnen, wobei gemeinsam Verantwortung für die Herstellung von Nahrungsmitteln übernommen wird. Arbeit und Produkte würden wertgeschätzt werden. Bei diesem Modell entfalle der Zwang zum Immer-weiter-Wachsen von Betrieben.

Menschengerechtes Wirtschaften

Bei einem Seminar am Nachmittag mit Dr. Sebastian Thieme, Schasching-Fellow der ksoe 2015/16, wurde dessen neue Publikation „Menschengerechtes Wirtschaften?“ als Ergebnis seiner Forschungstätigkeit an der ksoe vorgestellt und diskutiert. Der Ökonom und Wirtschaftsethiker betonte, dass Schasching eindeutig einer „humanistischen Ethik“ zuzuordnen sei, bei der Wirtschaft kein reiner Selbstzweck sei, sondern die Wirtschaft dem Menschen zu dienen habe. Dies sei insofern von Bedeutung, als heute jene Wirtschaftsethik ins Hintertreffen zu geraten drohe, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Schasching stehe ganz klar für einen „Primat der Ethik“, so Thieme.

Dialog als markantes Element der Katholischen Sozialethik

Eine wichtige Erkenntnis seiner Forschungstätigkeit an der ksoe sei gewesen, dass der Dialog „markantes Element“ der Katholischen Sozialethik sei. Dieses dialogorientierte Verständnis der Katholischen Sozialethik sei auch im Denken und Handeln von Schasching deutlich erkennbar, so Thieme. Der Dialog lasse die Katholische Sozialethik nicht nur zu einer modernen Ethik – wie die Integrative Wirtschaftsethik (Peter Ulrich) – werden, sondern er stelle sie auch deutlich in die Nähe zum Paderborner Erwägungskonzept. Bei letzterem gehe es darum, aktiv nach anderen Denkmöglichkeiten zu suchen, sich darauf friedlich und ohne Kampforientierung einzulassen. Praktische Beispiele für eine solche Dialogorientierung seien der Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe (1990) und das Ökumenische Sozialwort (2003), an denen Schasching wesentlich mitgewirkt hat.

Schasching-Symposium

„P. Schasching hatte an der Weiterentwicklung der Katholischen Soziallehre wesentlichen Anteil“, sagte Bischof em. Maximilian Aichern in seinem Beitrag zum Schasching-Symposium. Er wurde von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik auf der ganzen Welt konsultiert und war Sozialberater des Papstes bei mehren Sozialenzykliken. Auch die „einfachen Leute haben ihn gut verstanden“. Er hätte auf die Menschen zugehen können und sein reiches Wissen in die Alltagswelt der Menschen einbringen können.

„Die Ökumene sei ihm über alles gegangen“, so Aichern. Neben dem Dienst an der Weltkirche sei er immer auch in seiner Heimat präsent gewesen: bei Vorträgen und in der Pastoral.

Aichern abschließend: „Pater Schasching hätte mit Papst Franziskus seine Freude gehabt und umgekehrt hätte Papst Franziskus seine Freude mit Pater Schasching gehabt“.

Studierende aus aller Welt geprägt

P. Andreas Schermann SJ, Dozent für Katholische Soziallehre an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, erinnerte an die Wirken von Johannes Schasching in Rom: das „Germanicum und Hungaricum“, dessen Rektor Schasching gewesen war; an die Päpstliche Universität Gregoriana, wo Schasching Studierende aus aller Welt – viele davon sind heute Kardinäle und Bischöfe, aber auch PolitikerInnen - geprägt hat; auch an seine Tätigkeit als Assistent von General Pedro Arupe.

Entwicklung der Soziallehre

In seinem Festvortrag über die Entwicklung der Soziallehre entlang des Lebens von Schasching betonte Univ.-Prof. Wolfgang Palaver von der Universität Innsbruck, dass Pater Schasching der sozialrealistischen Linie angehört,wie sie in „quadragesimo anno“ vorgegeben worden ist. Schasching hat die Sozialenzykliken „Laborem exercens“ (1981) und „Centesimus annus“ (1991) koordiniert, wo ihm seine Qualitäten als Vermittler entgegenkommen seien. Zu den Enzykliken „Sollicitudo rei socialis“ (1987) und „Centesimus annus“ veröffentlichte Johannes Schasching ausführliche Kommentare. Hatte Papst Paul VI. in „Octogesima adveniens“ (1971) bereits das Ende einer für die ganze Welt immerwährend und von oben verkündeten Soziallehre verkündet (denn es sei nicht Aufgabe der Kirche „ein für alle gültiges Wort zu sagen oder allerorts passende Lösungen vorzuschlagen“), hatte sich Johannes Paul II. von dieser Absage an eine allgemein gültige Soziallehre wieder distanziert.

„In Schaschings Werk wird deutlich, dass er nicht mit allen Positionen von Johannes Paul II. voll übereinstimmte“, so Palaver. Indirekt hätte er einige Positionen des Papstes relativiert. Deutlich zeige sich Schaschings Distanz in der Abkehr des Papstes von „Octogesima adveniens“.

Hinsichtlich des Dialogs mit Konfessionen, Weltreligionen und auch Menschen ohne religiösen Bekenntnis stimme Schasching aber deutlich mit Johannes Paul II. überein. Immer wieder unterstreiche er die Notwendigkeit einer ökumenischen und auch interreligiösen Zusammenarbeit sowie die grundsätzliche „Verpflichtung zum Dialog“. Für Schasching hat mit der Soziallehre der Dialog der Kirche mit der Industriegesellschaft begonnen, der schließlich zu einem „Dialog mit allen Menschen guten Willens“ geführt hat.

Schasching-Gesellschaft

Im Rahmen des Symposiums wurden auch Initiativen vorgestellt, die an P. Johannes Schasching SJ anknüpfen: die Schasching-Gesellschaft, die ein Stipendium für Studierende an der Gregoriana in Rom vergibt und der Schasching-Preis, der alle zwei Jahre von Industriellenvereinigung und Katholischer Privatuniversität Linz zur Förderung des Dialogs von Wirtschaft, Ethik und Religion vergeben wird (früherer WER-Preis).

Wissenschaftliche Orte im Geist von Schasching

Schließlich wurden beim Symposium zwei wissenschaftliche Orte vorgestellt, die im Geist von P. Johannes Schasching SJ weiterarbeiten: die P. Johannes Schasching SJ-Fellowship an der Katholischen Sozialakademie Österreichs, wo Pater Schasching nach seiner Emeritierung in Rom von 1991 bis 2003 gewirkt hatte und die heute von Dr.in Magdalena Holztrattner geleitet wird, und das : Institut für Christliche Sozialwissenschaften Johannes Schasching SJ an der Katholischen Privatuniversität Linz, das von Univ.-Prof. Christian Spieß geleitet wird.

ksoe/Jesuiten in Österreich