Home
TERMINE

Do, 1. Jänner 1970, 01.00 Uhr
Das verlorene Paradies
Vor 250 Jahren wurden die Jesuiten aus Lateinamerika vertrieben. Am 2. April 1767 unterzeichnete der spanische König Carlos III den Erlass, der die Verbannung der Jesuiten vom spanischen Besitz in Amerika verordnete. Vor allem im Gebiet des heutigen Paraguay hatten sie sich den Guaraní-Indianern zugewandt.

GEBET & GOTTESDIENST
Zum täglichen Online-Gebet

28. April 2017

Gottesdienst:
Hauskapelle, John Ogilvie-Haus, 07:15 , Messe - Zelebrant: P. Hannes König SJ

30. April 2017

Gottesdienst:
Linz, Ignatiuskirche - Alter Dom, 10:30 , Josef Gruber (1855-1933) - Missa „Jesu Deus pacis“ für Gesang, Violine und Orgel Monika Holzmann - Alt, Bernhard Prammer - Orgel

Gottesdienst:
Wien, Jesuitenkirche, 10:30 , W. A. Mozart - Große Messe c-Moll, KV 427 Chorvereinigung St. Augustin

<zur Übersichtsseite>
GEBETSANLIEGEN DES PAPSTES

Gebetsmeinungen des Papstes für April

Die jungen Menschenmögen bereitwillig ihrer Berufung folgen und ernsthaft darüber nachdenken, ob... <mehr>
BEVORSTEHENDE GEDENKTAGE

Das verlorene Paradies

Die Wasserfälle von Iguazu, die heute zu Argentinien und Brasilien gehören.

Florian Baucke: Honigernte in einer Jesuitenreduktion

Vor 250 Jahren wurden die Jesuiten aus Lateinamerika vertrieben. Am 2. April 1767 unterzeichnete der spanische König Carlos III den Erlass, der die Verbannung der Jesuiten vom spanischen Besitz in Amerika verordnete. Vor allem im Gebiet des heutigen Paraguay hatten sie sich den Guaraní-Indianern zugewandt und mit den sogenannten Reduktionen ein faszinierendes Evangelisierungs- und Sozialprogramm verwirklicht.

Nachdem er den strapaziösen Aufstieg am Rande der gewaltig tosenden Wasserfälle geschafft hat, läuft Pater Gabriel ein Stück durch den Urwald und setzt sich auf einen Felsbrocken im Flussbett. Er holt seine Oboe hervor und beginnt zu spielen. Verzaubert durch die Melodie lassen die Guaraní-Indianer, die den Eindringling längst entdeckt haben, Pfeil und Bogen sinken. Langsam kommen sie näher, um den musizierenden Jesuiten genauer zu betrachten. Mit zitternden Fingern und flatterndem Atem spielt er weiter. Er ist kein Sklavenjäger und er kommt nicht mit bösen Absichten. Das ist die Botschaft der Musik und die Guaraní-Indianer fassen Vertrauen zu diesem sonderbaren weißen Mann. Die Szene ist ein Schlüsselmoment im Film "The Mission" über die Jesuitenreduktionen in Paraguay. 1986 wurde er mit Jeremy Irons in der Rolle des Pater Gabriels gedreht und auch 30 Jahre später hat der Film nichts von seiner Faszination eingebüßt. Genauso wenig wie die ihm zugrundeliegenden historischen Begebenheiten.

Siedlungen für Ureinwohner

Im Jahr 1604 wurde die Jesuitenprovinz Paraguay gegründet, die ein riesiges Gebiet umfasste und sich über Paraguay hinaus auch auf Teile der heutigen Länder Argentinien, Brasilien und Uruguay ausdehnte. Sie bildet den geografischen Rahmen, in dem damals 30 sogenannte Reduktionen entstanden, die im Laufe der Zeit je nach Blickwinkel auch als Jesuitenstaat, Heiliges Experiment, christlich-kommunistische Republik, verlorenes Paradies oder Land ohne Übel galten und die Phantasie von Schriftstellern, Philosophen und Theologen beflügelten. Der Begriff Reduktion stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Zusammenführung. Die Reduktionen waren von Jesuiten gegründete Siedlungen für die südamerikanischen Ureinwohner, um sie aus einem überwiegend nomadischen Leben in die Sesshaftigkeit zu führen, sie zu evangelisieren und sie vor der Sklaverei zu beschützen.

Unvergessenes Erbe

Das Heilige Experiment der jesuitischen Siedlungen für die Guaraní-Indianer endete vor genau 250 Jahren. Erst 1927, vor 90 Jahren, kehrten die Jesuiten nach Paraguay zurück. Sie sind heute in vielfältigen Bereichen der Pastoral-, Bildungs- und Sozialarbeit tätig. Das Erbe der Reduktionen haben sie nicht vergessen. Verfallene Bauten und zerstörte Kunstschätze wurden mit internationaler Hilfe restauriert. Sieben der ehemaligen Guaraní-Siedlungen sind heute als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt und eine touristische Route führt durch die Reduktionen mit ihren Kirchen, Ruinen und angeschlossenen Museen. Vor fast zehn Jahren ist auch das Noviziat, die Ausbildungsstätte für angehende Jesuiten mit einem angeschlossenen Begegnungsort für interessierte Jugendliche, in die erste Reduktion und heutige Stadt San Ignacio zurückgekehrt. „Der Garten, vor allem der äußerst fruchtbare Gemüsegarten des Hauses, der von den Novizen selbst gepflegt wird, wo verschiedene Sorten tropischer Früchte und Gewürze angepflanzt werden, ist derselbe Garten wie jener der Patres der alten Reduktion“, erklärt Pater Alberto Luna, der Provinzial der Jesuiten in Paraguay. Für ihn ist das alte Erbe vor allem eine Verpflichtung, sich auch heute den Armen und Ausgegrenzten zuzuwenden. Und dazu gehört in Paraguay leider immer noch die indigene Gruppe der Guaraní.

Autorin: Judith Behnen

Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe von "jesuitenweltweit" erschienen und kann hier nachgelesen werden.